Pussy Diary 2017 – 2019

...Alessia Schuth behandelt das Thema der Weiblichkeit mit einer so entwaffnenden Offenheit, dass man sich auch nicht vor all der Ungerechtigkeit, die sich immer noch zwischen die Geschlechter schiebt im gesellschaftlichen Gefüge, wegducken kann...
Dr. phil. Günter Baumann, Auszug: Einführungsrede der Ausstellung Edge of Society

2017

2018

2019

Gedanken zur Serie „Pussy Diary“

Dinge für deren Beschreibung keine Worte gefunden werden können, müssen gemalt werden. Dinge, für deren Beschreibung man keine Worte finden will, noch viel mehr.

Ein kleiner Teil des Körpers, auf den so viel Licht fällt, dass alles andere im Schatten steht. Ganz wunderbar, wie kleine Dinge große Wirkungen haben können. Doch wenn man nicht darüber spricht, spinnen sich Mythen und Sagen darum, Ängste und Unsicherheiten entstehen. Vielleicht sogar Hass? Ganz sicher. Ganz sicher auch Hass. Auch wenn wir ihn nicht immer spüren, tragen wir ihn, wie ein Schmerzpatient sein Leid, durchs Leben und spüren ihn nur ab und an, wenn es dann doch ganz schlimm wird. Aber im Alltag leben wir damit, hinterfragen wenig. Wir haben unsere Verhaltensmuster, sind sozialisiert und können nur schwer ausbrechen. Wie soll man auch ausbrechen, wenn das Gefängnis weder Tür noch Wände hat.

Die Serie „Pussy Diary“ ist aus vielen Überlegungen und der Auseinandersetzung mit dem Frau-Sein und dem Mensch-Sein entstanden. Weil doch viel von außen auf das Geschlecht projiziert wird (obwohl es doch meistens gut verpackt ist) ist es schwer, beides gleichzeitig zu sein. Mensch und Frau. Und auch wenn wir uns heranwagen, an das THEMA und versuchen in der Öffentlichkeit darüber zu reden, wird oft – so empfinde ich das - der Kern verfehlt. Versuchen wir doch einen Urtrieb zu versachlichen, was wohl so lange nicht vollends funktionieren wird, solange wir ihn in uns tragen. Man kann daran verzweifeln oder man kann darüber schmunzeln. Ich für meinen Teil möchte mit meinen Arbeiten dem Betrachter die Wahl lassen, ihn aber nicht mit Schönheit und Anmut eines traditionellen Akts beruhigen. „Pussy Diary“ beobachtet zurück.

Vollleibig, überzeichnet oder absurd abstrahiert, wie manche Debatte über Gentrifizierung einer Sprache deren Gesellschaft in Teilen noch nicht darüber nachgedacht hat, was schlimm daran ist eine Frau nach floralen Vorbildern zu benennen, stehen die Vulvas zentral im Bild und lassen kaum Umraum zu, verdrängen ihn fast. Mit teilweise grellen Farben fordern die Arbeiten Aufmerksamkeit und den Diskurs.