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Malerei

Den Akt von der Historie lösen

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In der Malerei beschäftige ich mich, wie auch in den meisten Objektarbeiten, mit den Geschlechterrollen. Auch in der Malerei interessiert mich die stilisierte Frau. Im Gegensatz zu meinen eher rationalen, konzipierten Objekten und Installationen sind meine Malereien humorvoll und spielerischer. Mit teils bunter Palette überspitze ich Klischees und überhöhe Frauenbilder, versuche aber auch das weibliche Geschlecht zu entmystifizieren und ihm seine Natürlichkeit wieder zu geben.

Gedanken zum Akt

Mich interessiert unter anderem der Akt. Allerdings von einer Seite, die bislang in der Kunst nicht oft zu finden ist. Fehlen doch die weiblichen Vorbilder. Der Blick auf den nackten weiblichen Körper ist männlich geprägt. Jede Epoche und jeder große Künstler der Vergangenheit gewährt uns einen Einblick in die jeweils vorherrschenden Schönheitsideale oder persönlichen Vorlieben des nackten weiblichen Körpers. Die Natur der Frau wird dadurch aber immer von Außen dargestellt. Sicherlich ist die gesamte (Kunst-) Geschichte männlich geprägt. Aber am Blick des Mannes auf den weiblichen Körper, ohne vergleichbare Gegendarstellung, störe ich mich und versuche mich frei von Vorbildern am Akt.

Die akademische Kunst war in Deutschland bis vor 100 Jahren ausschließlich den Männern vorbehalten. Unter anderem, weil an den Akademien die Aktmalerei unterrichtet wurde und diese Form des Unterrichts wohl unzumutbar für das weibliche Geschlecht schien. Interessanterweise befasst sich der Akt aber sehr gerne mit der Frau, nur eben als Objekt. Ob sinnlich, mütterlich oder jungfräulich; die Frau wird immer auf eine bestimmte Weise stilisiert. Sicherlich wird auch der männliche Körper auf diese Weise dargestellt. Muskulöse, kräftige Männer oder zarte Jünglinge. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass der Mann den Mann darstellt. Die Frau sich selbst aber nicht. Dies ändert sich erst sehr zaghaft in jüngster Zeit mit Vertreterinnen wie beispielsweise Maria Lassnig, die sich dem Tabuthema des älter werdenden Frauenkörpers auf eine ehrliche und subjektive Weise annimmt, wie es, meiner Meinung nach, vor ihr noch keine Malerin gemacht hat.

Für mich ist es sehr wichtig, einen Weg zu finden, mein eigenes Geschlecht von Rollenbildern frei zu machen und diesen Prozess auf dem Bildträger sichtbar zu machen. Überwiegend male ich mit Acrylfarbe auf Malplatten um für mich einen ersten Bruch zum traditionellen Akt zu schaffen und mir damit das vorbildfreie Arbeiten zu erleichtern. Ich versuche durch Achtsamkeit und genaues Beobachten meiner eigenen Verhaltensmuster und gesellschaftlichen, wie medialen Erziehungsversuchen, den Akt für mich neu zu entdecken und neu zu definieren. Fragestellungen, die sich für mich ergeben, gehe ich malerisch nach.

Bei all meinen Arbeiten spielt das Zwischenmenschliche eine sehr große Rolle. Nonverbale Kommunikation und nicht geführte Kommunikation stehen dabei im Vordergrund. Gespräche, die nie geführt werden, bei deren Sachverhalt jede Partei wie selbstverständlich davon ausgeht, zu wissen, was der andere möchte und dadurch zu sich in der Gesellschaft verankernden Missverständnissen und zuletzt zu Wahrheiten werden. So sind beispielsweise Schönheitsideale im gesellschaftlichen Leben verwurzelt und werden als das einzig richtige verstanden, ohne Diversität und Vielfalt zuzulassen. Dies ändert sich gerade erst im kollektiven Bewusstsein durch soziale Bewegungen wie Body positivity.

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